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Die Stimme der Stadt live im Ratssaal

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Am 30.09.2018 von 15:00 bis 20:00 Uhr werden die gesammelten Erzählungen als musikalisch-szenische Lesung öffentlich im Ratssaal des Castroper Rathauses inszeniert und gefeiert.

Castrop-Rauxel? Meine Heimat, meine Stadt. Hier bin ich geboren, hier will ich kaputtgehen.“

Heute darf hier jeder sprechen, wird jeder zu hören sein – im gläsernen Ratssaal, diesem eindrücklichen Ort der Nachkriegsmoderne, mit Blick auf Europa- und Stadthalle. Normalerweise tagt hier der Stadtrat, streiten sich Lokalpolitiker. Aber jetzt reden andere, jetzt reden die Bürger der Stadt. Der italienische Eisverkäufer, der Entrümpler, die arbeitende Mutter mit schulpflichtigen Kindern, der Kumpel von der Zeche, der umschulen musste. Und sie alle sprechen darüber, wie sich die Stadt verändert hat, was sie früher war, was sie heute bedeutet.

Aufgenommen wurden ihre „Stimmen der Stadt“ im Sommer 2018, als die Story Box - ein rollendes Mini-Aufnahmestudio - an verschiedenen Orten in Castrop-Rauxel Station machte. Nun tragen acht Schauspieler Passagen daraus vor, erzählen von den Zechenhäusern, den optimistischen 50er Jahre, den vielen Cafés damals in der Stadt, den türkischen Gastarbeitern, dem Wandel, dem Zechensterben, dem Zusammenhalt, den Pommes Buden und Shisha-Bars, den Parallelgesellschaften, der Überalterung, den Ängsten und immer wieder von der selbstbewussten Liebe zur Stadt. „Weils hier halt auch mal ne Schippe weit ruhiger ist als überall.“

Der Ratssaal, er wird an diesem Tag zur Bühne für alle. Verstärkt wird dieser Eindruck durch Klanginstallationen mit Geräuschen aus der Stadt, drei Chören vor Ort, Sängern und Tänzern. Sie gemeinsam machen die Architektur des Dänen Arne Jacobsen, der dieses radikal moderne Rathaus mit Stadthalle auf der grünen Wiese plante, lebendig, bringen die Bürger hinein. Fünf Stunden ist hier alles offen, jeder kann kommen und gehen wann er möchte, reinhören, sich reinsetzen, aufstehen, umherwandeln. Zuhören und sich treiben lassen.

Nicht jedes Bild, das man von der Stadt entworfen kriegt, ist schön. Manches stimmt traurig, anderes irritiert. Aber was alle eint, ist ein ganz eigenes raues Heimatgefühl, das nichts mit falschem Idyll zu tun hat. „Kein Rumgeschwurbel, sondern klare Kante“ - dafür liebt man sein Castrop-Rauxel.